Die verbotenen Früchte der Online Kriminalität

Online Kriminalität gilt als blühendes Geschäft mit dem jährlich Milliarden umgesetzt werden. So zumindest die verbreitete Meinung zu dem Thema. Microsoft ist dem auf den Grund gegangen und zeichnet nun ein gänzlich anderes Bild: Die meisten Spammer, Phisher und Malware-Verbreiter gehen mittlerweile einem fast brotlosen Erwerb nach. Nur eine kleine Elite verdient mit Online Kriminalität viel Geld. Sie gibt sich allerdings nicht mehr mit der massenhaften Verbreitung von Spam oder Schadprogrammen ab. Einige Experten sprechen von bis zu 3,2 Milliarden US-Dollar, um die Online Kriminelle ihre Opfer jährlich betrügen. Bereits 5 Millionen Phishing-Opfer soll es 2008 erwischt haben. Angesichts von nur 13 namentlich bekannt gewordenen Fällen, kamen einem Forscherteam von Microsoft Zweifel an der geschätzten Dimension der Internet Schattenwirtschaft.  Ihre Ergebnisse widerlegen den Mythos der goldenen Kuh Internet-Kriminalität.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich Phishing im Grunde nicht lohnt, da mit der Methode kaum noch Web-Nutzer zu überlisten seien.  Zum Einen weil diese aus eigenen Erfahrungen lernen und die mediale Aufklärung zum Thema steigt. Andererseits verbessern sich aber auch die Anti-Phishing Programme ständig. Die Bestandsmasse an potentiellen Phishing Opfern schrumpft also. Dazu kommt noch, dass eine riesige Anzahl von Online Kriminellen auf den Phishing-Zug aufgesprungen ist, unter anderem wegen dem Mythos des angeblich boomenden Marktes. Die Folge ist: Immer mehr Phishing Mails geraten in Umlauf, aber immer weniger Umsätze lassen sich damit erzielen. Microsoft schätzt das Einkommen eines durchschnittlichen Phishers etwa so hoch ein wie einen schlecht bezahlten legalen Job in den USA.

Online Kriminalität macht nur wenige reich

Die wenigen Online Kriminellen, die wirklich Geld verdienen, beschäftigen sich jedoch nicht mehr mit der direkten Verbreitung von Spam- oder Phishing Mails. Sie sind eine kleine Minderheit von hochqualifizierten Entwicklern, die ihr Einkommen mit Malware-Entwicklung und botnet Verwaltung bestreiten. Die botnets werden teuer an die große Masse der Online Kriminellen vermietet, die ganz unten in der illegalenWertschöpfungskette stehen. Bewanderte Malware-Entwickler müssen laut Microsoft mittlerweile aber so qualifiziert sein, dass sie als Programmierer auf legalem Weg wahrscheinlich genauso viel verdienen könnten.

Kreditkartenhandel: Dünnes Eis für Online Kriminelle

Der Handel mit Kreditkartennummern gilt für als Goldgrube der Online Kriminalität. Der Sicherheitsanbieter Symantec schätzt die Preise für Kreditkartennummern zwischen einem halben und zwölf Dollar. Die Frage, die sich dabei stellt: Ist es profitabler 50 Cent für eine Kreditkarte zu erwirtschaften als diese selber zu nutzen? Die Antwort lautet:  Betrüger betrügen Betrüger. Die Marktpreise liegen deshalb so tief, weil bis zu 90 Prozent der Nummern gefälscht sind. Damit haben sie keinerlei Wert für Online-Kriminelle. In einem Markt, bei dem man sich über die Qualität der gekauften Produkte nicht sicher sein kann, bleiben so die Preise im Keller. Abgeblich existiert mittlerweile nur noch ein kleiner Kern, der die Nummern nur unter sich handelt.

Online-Kriminalität: Kein Grund zur Entwarnung

Trotz dieses neuen Bilds der Online Kriminalität, sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen. Zwar sind die Schätzungen über die tatsächlichen Gewinne der Branche Online Kriminaliät anscheinend stark überzogen. Tatsache ist aber, dass es sich immer noch um nennenswerte Millionen-Beträge handelt, die von Online-Kriminellen erwirtschaftet werden. Dazu müssten streng genommen noch die Maßnahmen gerechnet werden, die Unternehmen in die Verhinderung und Bekämpfung von Online Kriminalität stecken. Unter dem Strich lohnt sich Online Kriminalität immer noch für sehr viele Menschen und trotz des Microsoft Berichtes ist kein schneller Zusammenbruch des Geschäftszweiges Online Kriminalität zu erwarten. Aufklärung, umsichtiges Nutzerverhalten und technische Hilfsmittel zur Erkennung von Schadprogrammen sind nötige Vorkehrungen, die der Online Kriminalität das Wasser abgraben können, und ihr Gewerbe auf Dauer unrentabel machen.

Weitere Infos zum Thema lesen Sie auf computerwoche.de oder pcwelt.de

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